Freiheit
So ist es gestern geschehen:
Wir drei Mütter sitzem im Kino und als uns der augenscheinliche Luxus bewußt wird, das wir HIER jetzt alle DREI OHNE KIND(ern) sitzen, geht es auch schon los.
Ich: “Ich gebe zu, ich genieße es SOOOO sehr 5 Tage kein Kind zu haben, dass ich mich schon vor dem Tag fürchte, an dem es vorbei ist.”
Mutter 2: ” Ja, wahnsinn, es ist so herrlich- gestern war ich mal den ganzen Tag im Bett, hab gelesen und bin nur einmal kurz zwischendurch zum Yoga raus, unglaublich”
Mutter 3: ” Es ist so herrlich keine zeitlichen Zwänge zu haben”
Ich: “Ja, oh Gott, wie ich die Schule hasse, jeden Tag dieses blöde um 6 Uhr aufstehen..:”
Mutter3: ” Genau, wir, eigentlich wir alle drei hier, müssten ja gar nicht so früh aufstehen”
Ich: “Genau, mein Tag würde erst um 10 Uhr beginnen, hätte ich kein Kind. Manchmal würde ich gerne mit ihm Schule schwänzen, so müde bin ich in der Früh. Das will ich ihm natürlich auch nicht beibringen.”
Mutter 2: ” Und das WIR hier alle sitzen, unter der Woche, im Kino- unglaublich. Das hatten wir ja noch nie”
Mutter 3: ” Heute habe ich mit Oliver telefoniert, er war sooo süß, sein Daddy meint, er vermisst mich.”
Ich: berührtes Schweigen.
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht realisiert, dass ich mit Liam noch gar nicht telefoniert hatte. Sofort kam die Frage in mir auf, ob ich eine schlechte, weniger liebende Mutter bin. Doch dann merkte ich, dass diese unglaubliche Entspannung bei mir auch mit der Tatsache einhergeht einmal etwas NICHT ZU WISSEN- ja, ich gebe mich dem Luxus des Nichtwissens hin und genieße es in vollen Zügen- denn geben wir es doch zu, als alleinerziehender Mensch stellt man den einzigen Ansprechpartner des Kindes dar.
Und glaubt mir, mein Kind hat viel zu sprechen, und das den ganzen Tag lag- ein wahrer Overflow an Informationen der da auf mich einprasselt den ganzen Tag. NICHTS zu hören macht es mir leichter loszulassen und wirklich nur ICH zu sein.
Seit 3 Monaten hatte ich ein Gesundheitsproblem nach dem Anderen, ich dachte, es geht nur noch bergab.
3 Tage ohne Kind und ich bin wie neugeboren.
Ich gebe zu, ich bin eine Person, die dazu neigt, zuviel zu tun, sich zu verzetteln und dabei auch noch die Nerven zu verlieren. Das ist natürlich keine gesunde Voraussetzung um alleinerziehend, angestellt, selbsständig usw. zu sein, ein klares Rezept für ein Burn Out.
Und dem war ich sicher nahe.
Jetzt hoffe und bete ich nur, dass ich diese Ruhe, die ich jetzt habe mit in den Alltag nehmen kann, wenn ich meinen Sohn zurückbekomme. (Wahrscheinlich geht das sogar für 48 h gut)
So soll mein Alltag in jedem Fall nicht mehr aussehen:

funkelblau um 10:01 am am Februar 8, 2011 Permalink |
das Dilemma, sich dringend entspannen müssen, um dann wieder funktionieren zu können und der Drück des countdowns im Rücken, schlechtes gewissen, weil man nicht vor Sehnsucht stirbt und auch mal Abstand brauchen, nicht mit dem Kind telefoniert. Dann geht man Weg und redet über diesen Countdown und all die verpflichtungen, die zum muttersein dazu gehören…erholen muß man sich, ich kenne dieses burnoutgefuhl und die Panik, ohne mich geht’s aber nicht, den drang, so jetzt muß ich mich selbst Leben, ausgehen, cool sein, ned mued.. Mein Kind ist Weg, wow ich hab auch 3 tage Urlaub und bin durch DEN Sturz gehandikappt, also Ruhe, darf ich geben und mal Freunde treffen, die keine Kinder haben oder diese auch Grad nicht zum Thema machen…
Patrice um 8:14 pm am Februar 8, 2011 Permalink |
Das mit der Freiheit ist echt ein Problem. Das Shema ist so streng. Und wenn du es mal nicht einhalten mußt, hast du ein schlechtes Gewissen. Wenn die Kinder mal weg sind, spare ich allein damit schon sooo viel Energie, dass ich den Weg in den Kindergarten nicht machen muss. Dann kriege ich plötzlich einen innerlichen Grant auf alle, die keine Kinder haben (und vielleicht auch noch herum jammern, dass das Leben so schwer ist)