Farbenwechsel
Seit ein paar Wochen trage ich gerne schwarz, oder dunkel. Das ist neu für mich. Bunt sollte es immer sein. Schwarz war mir immer irgendwie unheimlich. Jetzt krame ich alle schwarzen Teile aus meinem Kasten sein sollenden Regal. Ich fühle mich wohl darin. Es erinnert mich zu trauern, entgegen der Tausend Dinge meines Alltags. Es erinnert mich, Pausen einzulegen, Pausen einzuplanen, in denen ich denken kann, fühlen kann, kommunizieren kann. Mit meiner Mutter, die mir immer so viel Freiheit schenkte, Vertrauen und Raum. Ich brauche schwarz, damit ich sie jetzt trotzdem bei mir behalte. Die Freiheit, der Raum – sie sind ja gewohnt. Sie ist tot.
Ach wie furchtbar muss es gewesen sein, kein bisschen Freude, kein bisschen Zufriedenheit. Schmerz, Angst und Zweifel kreisten in ihrem Kopf, in ihrem Körper. Wir hatten uns nichts mehr zu sagen – ich hätte so gerne das richtige Wort, den richtigen Satz, die richtige Sprache gesprochen. Ich wünschte, ich hätte Liebe in ihr Herz zaubern können – spürbar. Ich wünschte, sie wäre zufrieden eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.
Sie tat es nicht. Sie wählte den Freitod. Sie hatte um Erlaubnis gefragt, zwischen den Zeilen, von mir. Von mancher ihrer anderen Kinder. Sie bekam sie. Sie bekam den Raum, das Vertrauen, die Freiheit. Das gab ihr Kraft. Kraft für den letzten Schritt, er sollte selbstbestimmt sein.
Sie war so hübsch, wie schon lange nicht, als sie da lag in ihrem grünen Lodenkostüm. Friedlich, ruhig – seit Jahren war sie das nicht mehr. Es war ein traumhafter Tag, die Wolken, die Sonne, der Wind. Ich hatte Zeit, sie zu beobachten auf der 7-Stunden-Fahrt zurück vom Urlaub. Mein Sohn, mein Begleiter. Die nachrückenden Generationen.
Da lag sie also, im offenen Sarg, im Hof und wir verabschiedeten uns, etwas, was wir schon tausendmal gemacht hatten. Nun endgültig. Sie soll bei mir bleiben. Ich denke, sie wird es tun…
























Patrice Fuchs um 05:34 am 26. September 2012 Permalink |
Sooo traurig….
katiuska um 15:15 am 26. September 2012 Permalink |
Mir fehlen die Worte, aber ich moechte trotzdem schreiben wie leid es mir tut. Mein Beileid Patita, das ist unglaublich traurig. Sie passt sicher auf euch auf, von dort wo sie jetzt ist.
mother mable um 16:38 am 27. September 2012 Permalink |
alles Liebe an dich!