Kaufrausch

Dem bin ich momentan verfallen. Ich fühl mich ganz eigenartig, weil ich eigentlich gar nicht der Typ dazu bin. Ich hasse es, mich zwischen Massen von Menschen und Zeug zu schieben, nach geeigneten Artikeln zu wühlen, mich mit überlauter, zu schneller Musik, volldröhnen lassen zu müssen und mich dann womöglich auch noch in enge, überheizte Umkleidekabinen zu zwängen. IIIIIHHHH!

Nicht nur das. Ich verachte den Status Quo des gängigen Konsumwahns auch ideologisch. Wie bescheuert ist eine Gesellschaft, die darauf wurzelt, dass alle irgendwelche Dinge kaufen, die sie nicht brauchen, die noch dazu von blutigen (Kinder)Händen erzeugt werden, meist giftig sind und durch Raubbau entstehen, nur weil die Botschaft aus dem Fernsehen kommt? Nicht nur, dass wahre zwischenmenschliche Werte dabei verloren gehen,  alles immer schneller wird und wir für nichts mehr Zeit haben, außer Geld verdienen und Geld wieder ausgeben, sondern vor allem, dass wir bei  diesem Spiel überhaupt (noch) mitmachen, obwohl wir nie dabei gewinnen können, weil einfach der Finanzmarkt schon längst nur mehr ein fiktiver ist und uns die Superreichen längst nur mehr verarschen.

Doch jetzt, seit ich in Karenz bin, noch dazu auf dem Land wohne, und hier das Internet der Anschluss an die große Welt zu sein scheint, hat mich die Bestellwut gepackt. Ich ersteigere, impulskaufe, will einfach haben. Puh, ein Dilemma!

Klar, ich brauche einiges für unser neues Domizil (ha – jetzt ist es heraus: ja, wir ziehen wieder in die Stadt icon wink Kaufrausch ), aber was ist mit dem himbeerfarbenen Minikleid, den zwei Paar Turnschuhen und den Hauspatschen? Kompensiere ich hier schon meine noch nicht gelebten Träume vom urbanen Partyfeiern und wildromantischen Kuscheln vorm Kamin im neuen alten Häuschen? Innerlich bin ich ganz kribbelig, wenn ich daran denke, dass sich mein Erspartes von den letzten Jahren meines Arbeitslebens nun sukzessive dem Ende zuneigt, hoffend, dass die Renovierungskosten noch drin sind…