Jetzt ist er da. Ich hab zwei Tage gebraucht, um das zu verstehen. Denn aus einer Spontangeburt im neuen Geburtshaus “Von Anfang an” ist ein Notkaiserschnitt im Spital geworden. Zwischen der Freude über die beginnende Geburt (Blasensprung daheim, übrigens nur wenige Millimeter vom berühmten roten Teppich entfernt) und der Vollnarkose lagen nicht einmal zwei Stunden – das war dann doch zu schnell für meine Psyche. Rückblickend hab ich auf zweierlei Arten geboren: einmal spontan mit Presswehen und allem, und einmal per Kaiserschnitt.
Das kam so: Klammheimlich hat sich der Kleine in den letzten Tagen vor der Geburt noch einmal gedreht und lag mit den Füßen (!) voran. Gleichzeitig kamen die Wehen so schnell und heftig, dass die Sanitäter auf dem Weg ins Geburtshaus bereits davon redeten, stehenbleiben zu müssen und quasi auf der Straße zu entbinden. Statt loszulassen war jetzt also Zurückhaltung notwendig.
Wir schafften es noch ins Geburtshaus, der Muttermund war verstrichen, ich hatte alle 50 Sekunden starke Wehen und war bereit. Endlich konnte es losgehen! Wäre der Kleine mit dem Kopf voran gelegen, hätte es vielleicht noch fünf Minuten gedauert.
Da kriegt die Hebamme Panik: Statt dem Kopf kommt ein Fuß. Sie spritzt mir sofort ein wehenhemmendes Mittel, ruft die Rettung und fürchtet einen Nabelschnurvorfall. Jetzt also doch nicht Pressen, sondern alles tun, um das Baby im Bauch zu behalten. Der Notarzt kommt, und mit Tatütata geht’s ins Spital. Dort wird der Spezialist für solche Fälle geholt, er sagt, eine spontane Geburt könnte möglich sein. Also krieg ich ein Mittel gespritzt, um die abgewürgten Wehen wieder stark zu machen, und jetzt soll ich im Liegen fest pressen, während der Arzt “mithilft” (schöne Umschreibung für ziemliche Schmerzen).
Inzwischen ist auch der werdende Vater eingetroffen, der musste noch das große Kind zur kranken Babysitterin bringen.
Ich stell mich noch einmal um, jetzt also doch Pressen. Aber schon nach kurzer Zeit fallen die Herztöne ab, ich kriege Sauerstoff, und der Arzt ruft: “Nabelschnurvorfall! Sofort in den OP!”.
Ich stell mich zum letzten Mal um und merke, dass meine Flexibilität jetzt endet. Die schon geborenen Füße werden zurückgeschoben, die Hebamme hält das Kind mit der Hand zurück, während ich im Eiltempo in den OP geschoben werde. Sie sagt: “Alles ok, ich spüre den Puls des Kindes!”.
Im OP ist Hektik, ich schwanke zwischen Erleichterung und Furcht und Enttäuschung, und schon schlaf ich ein.
Beim Aufwachen hör ich nicht etwa “Sie hatten eine Sectio, alles ist gut gegangen” oder so etwas in der Art. Stattdessen: “Sind Sie eh nicht HIV positiv? Jemand hat sich während der OP gestochen.”
Dann erfahre ich im barschen Ton, dass ich nichts trinken darf, und schließlich lieg ich allein da, viel zu warm zugedeckt, schwitze wie blöd, habe furchtbar Durst und frag mich, ob ich je hören werde, wie es dem Baby geht und ob ich zu ihm darf?
Nach scheinbar sehr langer Zeit werde ich in ein Zimmer gebracht, dann kommen Mann und Baby, und ich bin bloß noch dankbar.
Patrice Fuchs um 20:37 am 30. Juni 2012 Permalink |
Gratuliere liebe Nel! Ich bin selig in Gedanken bei dir!
Eva um 20:51 am 30. Juni 2012 Permalink |
Welcher ist der beste Italiener der Stadt?? Da musst du mich auch mal mitnehmen und auf unsere Buben anstossen…Wenn’s nicht sooooo heiß ist….lg eva
Nel um 06:01 am 1. Juli 2012 Permalink |
Beim besten Italiener kann man auch ganz fein Mittagessen, du Busy Madame Management!
Patrice Fuchs um 12:56 am 1. Juli 2012 Permalink |
wie wärs, ihr zwei – gehen wir gemeinsam hin mittagessen?