Venezia

Kürzlich war ich allein in Venedig. 72 Stunden wollte niemand was von mir (außer mein Geld). Laura durfte mir noch einen Cappuccino bringen, Maurizio servierte einen weiteren Gin Tonic, Johannes erklärte mir den Biennale-Beitrag seines Landes. Massimo zeigte mir gleich sieben bezaubernde Zimmer in “seinem” Luxushotel am Canale Grande. (Nicht falsch verstehen. Es war rein geschäftlich.)

Ich habe wenig an Zuhause gedacht. Wenn wir telefonierten, bekam ich ein schlechtes Gewissen.

Ich habe vier Zeitschriften und zwei englischsprachige Tageszeitung komplett von vorn bis hinten gelesen und mir sogar was davon gemerkt. Ich war in einem großen Museum. Ich habe mich im Gewirr der Gassen und Kanäle verirrt und mir eine Murano-Glasperlen-Kette aufschwatzen lassen.

Ich weiß jetzt, dass alle Venezianischen Taxibootfahrer ab 16 Uhr betrunken sind.

Es war großartig.

Jetzt bin ich zurück im Radl und ja, geht eh. Wenn mich im Job jemand ärgert, denke ich schnell an Wellen, die beharrlich einen Hauseingang umspülen. Beruhigt.

Wenn mich die Kinder ärgern, hilft das mit den Wellen wenig. Die können mich aber so so so auf die Palme bringen! Oft habe ich dann ein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich bin ich oft ungerecht und ungeduldig.

Ach. Dolce Vita.

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