Weihnachten auf der Flucht

Ich hatte als Kind glanzvolle, kitschige, leuchtende, liebevolle, glückliche Weihnachten. (Außer in dem Jahr, als mein Opa ausgerechnet am Heiligabend starb.)

Meine Mutter hat jedes Jahr gespart, geputzt, gebastelt, gekocht, gebacken, dekoriert, arrangiert, inszeniert und gezaubert, bis alles perfekt war, und das ist ihr tatsächlich jedes Jahr gelungen.

Ganz schön hohe Erwartungen!

Ich lebe mit einem Mann, der Weihnachten immer schon hasste. Er hat seine Gründe.

Ganz schöner Gegensatz!

Am Anfang unserer Beziehung haben wir getrennt gefeiert. Dann der Kompromiss: Weihnachten gemeinsam, aber weit weg. El Hierro, Marokko, Mallorca, Andalusien, zuletzt Türkei – im Warmen halt.

Jetzt haben wir einen Kuddelmuddel. Der Große lernt im Kindergarten Weihnachtslieder und bastelt einen Adventkranz. Mein Mann bringt überraschend einen Adventkalender heim. Und Weihnachten passiert dann – fern von Wien – doch nichts in Richtung “Weihnachtsfeier”, keine Geschenke, nur Champagner für die Großen.

Nächstes Jahr wird es ein Baum sein müssen, und irgendein Höhepunkt mit Geschenken, glücklichen Tränen oder so.

Denn ich weiß jetzt in diesen Tagen (unterbewusst) nicht, ob Weihnachten schon war oder nicht.

Und der Kleine singt fröhlich seine Weihnachtslieder weiter, wahrscheinlich bis Ostern.

Wir sind schon eine lustige Familie …