von glaubenskrisen und meinungsumfragen
ich bin still geworden. irgendwie konnte ich plötzlich nichts mehr schreiben. im kopf ein loch wo früher worte waren, das papier blieb weiß, nichts geht mehr. anna wird in wenigen tagen zehn monate alt und sie ist- perfekt. meine sonne, mein leben, meine freude. jeden tag freue ich mich wenn ich morgens ein glucksen aus dem babyphon höre. und bin ich auch noch so müde- ich freue mich auf den tag mit ihr. auf ihr lachen, ihre grübchen. ihre zwei zähne die hervorblitzen ( ZÄÄÄHNEEE wie toll ist das denn???) zehn monate glück, zehn monate kuscheln, zehn monate liebe.
doch die zweifel. sie sind immer noch da. waren in den letzten wochen noch mächtiger als sonst. hat man sein kind aus vollem herzen lachen gehört- man will, dass es immer so ist. ich will, dass es immer so ist. und sie weint. sie weint immer noch. immer noch viel. oder fühlt es sich nur viel an? woher soll ich das wissen? es ist mein erstes kind. und mit babys habe ich keinerlei erfahrungen. kinder sind toll. vor babys hatte ich jedoch immer ein wenig angst. zerbrechlich kamen sie mir immer vor. und irgendwie zu klein für diese welt. ich war nie eine frau die fremde babys unbedingt halten oder streichlen wollte. lieber nur schauen und lippenbrummen, die näheste bezugsperson immer schön in der nähe lassen. nicht, dass ich noch etwas kaputt mache…
und plötzlich. bin ich die näheste bezugsperson. ich bin der hafen der ruhe und geborgenheit gibt, sicherheit vermittelt. natürlich war es nicht plötzlich. ich hatte das baby ja im bauch. ich wollte ein kind. mein kind. und mit dem eigenen baby ist es anders. natürlich ist es das. sie im arm zu halten war immer wie selbstverständlich. von anfang an hat sie perfekt in meine armbeuge gepasst. ihr köpfchen schien wie gemacht für die kleine einbuchtung knapp unter meinem schlüsselbein. als hätte es immer schon dorthin gehört. als wäre diese stelle einzig nur für sie geschaffen. aber sicherheit? wie kann ein mensch wie ich sicherheit geben? ich kenne wenige menschen die sich so leicht verunsichern lassen wie ich. wenn sich diese unsicherheit paart mit einer regelrechten lesewut sämtlicher ratgeber und internet foren. sich paart mit einem stetigen um rat fragen und ständig glauben jeder andere wisse es besser. was kann dabei heraus kommen?
ich wusste. kinder haben ist kein ponyhof. man hat verantwortung für jemandes leben. man trifft entscheidungen in der hoffnug sie mögen richtig sein. und man hat viele entscheidungen zu treffen. natürliche geburt oder kaiserschnitt? pda oder nicht? stillen oder flasche- oder sogar beides? kinderwagen oder tragetuch? co sleeping oder eigenes bett? frühförderung oder gedeihen lassen?
vielleicht fiel mir all das so schwer, weil anna so viel geschrien hat. vielleicht musste anna so viel schreien, weil es mir so schwer fiel? vielleicht habe ich zu oft um rat gefragt. vielleicht habe ich zu viel gelesen. vielleicht mache ich seit zehn monaten alles aber auch alles richtig – die zweifel daran machen mich trotzdem zu keiner idealen mutter.
ich habe mich immer bemüht ein mensch zu sein der nicht urteilt. und so gehe ich auch an die elternschaft heran. ich liebe stillen- verstehe aber auch frauen die das nicht wollen. ich finde co sleeping toll- kann aber selbst nicht eine stunde schlafen wenn anna neben mir liegt. ich trage sie gerne- fahre aber ebenso gerne mit dem kinderwagen. ich möchte all ihre bedürfnisse erfüllen- merke aber selbst, dass ich langsam wieder mehr schlaf brauche. und, dass ich nicht mehr all zu lange stillen möchte. ich habe das jahr zu hause genossen- werde aber trotzdem ab september wieder arbeiten gehen. auch weil ich muss. aber nicht nur.
ich sitze also zwischen den stühlen. mache von allem etwas aber nichts voll und ganz. und was im leben stets ein guter weg war , scheint in der elternschaft plötzlich nicht mehr zu funktionieren. das thema schlaf beispielsweise , füllt bücher. bücher die sich so sehr unterscheiden wie man sich überhaupt nur unterscheiden kann. und beides klingt logisch. und beide seiten beanspruchen für sich das alleinige recht.
mütter die lange stillen, die kinder tragen und sie bei sich im bett schlafen lassen schimpfen über die bösen flachenmütter die nur kinderwagen fahren. und wenn sie dann auch noch von irgendeiner form des schlaftrainings hören , schreien sie gleich nach dem jugenamt. umgekehrt werden diesen müttern verzogene bastarde prophezeit, im park zeigt man mit dem finger auf langzeitstillende und wessen kind mit einem jahr immer noch nicht durchschläft, der ist selber schuld…
und langsam beschleicht mich der dringende verdacht, dass einfach niemand so genau weiß was richtig ist. jede seite hat fachärztliche atteste und studien vorzuweisen, jeder kennt jemanden der jemanden kennt…und zum ersten mal seit ich denken kann , wünsche ich mir die fähigkeit an etwas glauben zu können. ann gott ferber, gott pikler, gott jesper juuls- und wenn schon nicht an einen von diesen, dann doch zumindest daran, dass das was mein bauch mir sagt immer das richtige ist für anna.
























Funkelblau um 11:21 am am April 4, 2012 Permalink |
Schön und ehrlich, vielleicht ist es so, dass es auf viele Fragen keine Antwort gibt. Leben ist ja keine Antwort, und auch die Fragen haben ein Ablaufdatum. Du machst es gut für Anna und du machst es gut für dich. Kein Ratgeber der Welt hält sie im Arm, das tust du.
Alles Liebe Dir, ich erinnere mich gut an die erste Zeit, sie ist nicht einfach, vorallem für die, die sich selbst in Frage stellen.
mother mable um 12:21 pm am April 6, 2012 Permalink |
ich hab mich auch immer viel gefragt, mittlerweile ist es ein bissi besser geworden:-) und du wirst sehen, die fragen werden zwar auf keinen fall weniger, aber die antworten werden leichter. ich habs in meinem post heute geschreiben, man groovt sich ein, mit dem kind, den kindern. wirst sehen , ich fand deinen text sehr berührend. und ja eh so ist es, jedes kind ist eine eigene antwort, auf die fragen rund um sie oder ihn. hier ein paar von meinen antworten bisher: das 1. kind 3 jahre gestillt, das 2. 10 Monate, das 3. 13. Monate. Das 1. Kind lang bei mir im Bett, das mittlere mit 1,5 jahren raus, ds jüngste, naja, sie schlaft zumindest in ihrem ein:-). Das 1. Kind getragen und gefahren, das mittlere kind eher mehr gefahren, das jüngste nur getragen,… und so gehts dahin. Und so klischee quaqua das klingt verlass dich auf dich, dein Kind und den Papa vom Mausi! Und dann werden sie auch immer größer und sagen dann recht bald was sie wollen, zb: Mama, du sollst mit mir tinkerbell schauen, und dann kann man getrost auch einmal Nein sagen:-) PS: ab und zu ausgehen it den Freundinnen hat hier auch immer gut geholfen, alles Liebe an Dich!