Richtig machen falsch gemacht!
Anna Cech, Daughter, 2 months
steht es seit gestern in meinem Profil eines international bekannten Freundeportals. Irre.
2 Monate Vater und 2 Monate Fragen über Fragen. Es ist nicht so, dass ich mir dessen nicht bewusst bin, doch was genau heißt es? Vater! Klingt genauso großartig wie respekteinflößend.
Ich hole die Erinnerung an meinen Vater hervor und stelle mir Fragen.
Was war schlecht, was war gut? Die Antworten bleiben irgendwie aus. Aber genau diese fehlenden Antworten geben mir gewisse Freiheiten. Kann man überhaupt etwas falsch machen? Natürlich. Aber noch viel mehr kann man nichts falsch machen. Man sollte sich auch mal von außen beobachten, und dabei zusehen, was man so treibt. Wieviel ist man selbst und wieviel redet man sich, und letztendlich seinem Kind eigentlich ein?
Gelesen habe ich viel, über richtige Erziehung und Frühförderung, über das ganz und gar perfekte Baby. Und noch mehr habe ich gehört. Von Freunden, von der Familie, von fiktiven Erziehern im Fernsehen.
Fernsehen, ein gutes Stichwort:
Als ich Kind war, gab es diese TV Serie über eine Aussteigerfamilie.
Die legendären Robinsons. Eine Familie die das konventionelle Großstadtleben hinter sich gelassen hat.
Gezogen sind sie mit Kind, Hund und Kegel in eine Holzhütte irgendwo in den Bergen. Weit weg von jeglicher Zivilisation. Bären gingen da ein und aus, über Feuer wurde gekocht, man trug selbstgegerbtes
Leder und fing sich sein Essen im Wald, im Fluss oder vom Baum. In der Nacht sah man glitzernde Sterne, und das einzige Geräusch war das Plätschern des Flusses. Nun das ist genau das Leben das ich mir nicht vorstellen könnte. Ich brauche meine Supermärkte vor der Haustüre, meinen eigentlich miesen Kaffe aus designten Kapseln, meinen gefühlsaufhellenden Tee für gestresste Stadtmenschen,
meine kleinen gepflegten Restaurants in der Nähe und meine Schuhe sollen bitte auch andere herstellen. Ich möchte weiterhin auf dem Fahrrad in die Arbeit cruisen, und ich brauche Taxis die mich bei totaler Faulheit parallel zur U-Bahn heimbringen.
Doch eine Sache beneide ich bei dieser Familie in den Bergen.
Sie haben keine Erzieungsratgeber, keine Nannys, keine Bücher zum Thema “Wie schläft mein Baby bis zum 18ten Geburtstag durch?”
Diese Familie Robinson ist reiner als rein, sie vermitteln nur Liebe. Für alles andere gibt es keine Lobby, da oben, in den Bergen.
Und auch wenn sich das nach faden abgelutschten Hippiephilosophien anhört so sehne ich mich in manchen Momenten nach genau dieser Distanz zu Einflüssen und Eindrücken.
Neulich stand ich in einem gut sortierten Buchladen in der Pödagogikabteilung und war schlichtweg überfordert. Man sucht sich am besten das was gerade passt.
So wie im Internet. Ihr kennt das sicher. Zwickt es in der Brust, brauchst du nur lange genug suchen.
Von kerngesund bis Heriznfarkt ist alles möglich. Je nachdem wie es dir gerade in den Kram passt.
Bei Babyratgebern ist es nicht anders. “Sie wollen ein glückliches, gesundes Baby?”, “Einschlafen leicht gemacht”, “Babygedanken”, so oder so ähnlich die Buchtitel.
Ein kurzer Blick hinein. Die einen schütteln, die anderen lassen brüllen, dann findest du wieder Massagen und andere meinen, bloß nicht anfassen.
Daheim im Bücherregal stehen etwa 20 von diesen Bibeln. Man muss sich ja zunächst einmal ein Bild machen.
Ich traue mich nur mehr in jenes hineinschauen, in dem lediglich die Meilensteine angeführt sind. In Wochenabschnitten.
Ein kurzer Hilfeschrei darf an dieser Stelle aber trotzdem erlaubt sein. “Hilfe!!!”
Zurück zum wesentlichen, zur Robinson Familie.
Ich versuche ganz ich selbst zu werden. Ich handle nach Gefühl und konzentriere mich darauf, glücklich zu sein und das an meine Tochter und meine Partnerin weiterzugeben. Und schon stelle ich mir die nächste Frage. “Ist das genug?”
Skip Robinson, was würdest du machen? Ich weiß schon, zurück zu den wichtigen Antworten im Leben.
Bären sollte man nie den Rücken zuwenden und im Winter sollte man genügend Brennholz haben.
nellah um 8:18 pm am August 8, 2011 Permalink |
ein neuer star am blogger himmel:)
Patrice Fuchs um 8:25 pm am August 8, 2011 Permalink |
Deine `Babygedanken´ hören sich ziemlich perfekt an! Schöner Eintrag. Willkommen hier!
kitty um 8:28 pm am August 8, 2011 Permalink |
noch ein neuer vater. willkommen!
Funkelblau um 7:34 am am August 9, 2011 Permalink |
Augen auf und einfach durch, meiner Erfahrung nach hat sich das Leben noch nie an Ratgeber gehalten.
Und das ist, bei aller auch manchmal vorhandener Ratlosigkeit, gut so.