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  • Avatar of Monsieur Smoab

    Monsieur Smoab um 8:52 pm am August 26, 2011 Permalink | antworten  

    “Weshalb ist es gerade im August so heiß?” 

    Anstandshalber hat sich der Sommer in den dazugehörigen Monaten doch noch gezeigt. Ein paar Tage halt.
    Das finde ich auch in Ordnung, doch ich habe Mitleid. Naja, Mitleid ist es nicht wirklich. Eher ein verzweifelt hilfloses Mitfühlen. Mitfühlen mit einem 11 Wochen alten Baby, dass einfach nicht weiss was hier los ist.
    Ich stelle mir das gerade in diesen Tagen unerträglich vor.
    Wir Erwachsene leiden ja auch gerne, vor allem in Wien, der Stadt der Leidenden.
    Wir jammern und wir schimpfen darüber. Wir flüchten ins Bad, in Schanigärten, in den Keller.
    Wir tun alles erdenkliche um dem zu entgehen, wonach wir uns den ganzen verregneten Juli gesehnt hatten.
    Sommer, der natürliche Feind der Hemmschwelle! Aber wir haben Möglichkeiten.
    Babies haben nur begrenzte Mittel um dagegen anzukämpfen. Sie weinen, sie Schreien, sie wimmern.
    Ich verstehe es nur zu gut. Ich würde es im Radiostudio in dem ich arbeite, und wo es keine Klimaanlage gibt, zu gerne genauso handhaben.
    Doch ich mache gute Miene zum guten Wetter. 40 Grad? No Problem. “Leute mir ist heiß und ich lasse
    euch daran jetzt bitteschön Teil haben”. So oder so ähnlich meine von der Hitze stark beeinflussten Sprüche.
    Wenn die Temperaturen steigen sinkt automatisch das Niveau bei den Bemerkungen.
    Doch wen interssiert das eigentlich? Geht doch allen so.
    Verzeihung, nicht allen. Meine lieber Kollege, mit dem ich eine
    Spezialsendung im Radio mache, der hätte das nämlich gerne 365 Tage im Jahr so. Er ist auf glühenden
    Kohlen zur Welt gekommen und er schmiert sich erst dann mit Sonnencreme ein, wenn Männer in
    Hitzeschutzbekleidung ihn höflich darum bitten. Dann aber auch nur mit Schutzfaktor 0,7.
    Aber ich verstehe ihn, er kommt aus dem hitzigen Höxta im deutschen Niergendwo, dort
    wo Wüstenmarathonläufer ihr Wintertrainingslager aufschlagen. Wo Beduinen Urlaub machen,
    wenn sie es einmal schön warm haben wollen. Er ist der einzige Mensch, der mir
    ins Gesicht sagen kann, “Hey, 40 Grad ist Grund genug sich den Pullover auszuziehen”, ohne
    das ich einen Therapeuten zu Rate ziehe. Ich liebe ihn auch dafür.
    Aber der straßenübliche Wiener, der ist nicht so.
    Der meldet sich zu Wort und versucht einen Grund dafür zu finden, weshalb es gerade im August so heiß sein muss. Frechheit.
    Doch zurück zum eigentlichen Problem, zum Gemütszustand meiner Tochter. Dieser ist mit 11 Wochen,
    nun ja, im Grunde positiv. Sie lacht, sie singt, sie beginnt zu brabbeln bzw. zu gurren. (Aber nicht so wie die
    depperten Tauben, sondern wie ein Schmetterling mit Subwoofer)
    Doch dann kommen diese Momente, wo sie es wieder fühlt. Diese trockene, ergiebige Hitze.
    Die Frage “was ist das?” in Bezug auf Temperaturen, ist in ihren Augen zu erkennen. Und sie
    kann es fühlen, wenn sie in ihrer Marsupi-Trage entweder am Körper von Mama oder von Papa festklebt.
    Eine innige Bindung, die sich im wahrsten Sonne des Wortes verflüssigt. Wahrsten Sonne? Sinne natürlich.
    Aber ein passender Tippfehler.
    Arme Maus, sie schwitzt weil wir schwitzen. Ihr Schicksal. Aber im Kinderwagen geht das bei 35 Grad erst recht nicht.
    Da könnte man das Baby nach 10 Minuten nur mehr mit Topflappen herausnehmen.
    Wir sind nämlich wir bei unserer Limited Nautic Edition von Joolz laut Werbetext dazu angehalten, eigentlich am Meer zu leben.
    Tun wir aber nicht. Dort wäre die Luftfeuchtigkeit halt etwas höher, das Rot im Inneren heimelig und die Hitze erträglicher.
    Hier in der Stadt wird aus dem maritimen Gefährt eher ein Hochofen.
    Also weiterhin in die Augen des 11 Wochen alten Babies schauen und warten bis es 12 Wochen alt ist. Dann soll es nämlich wieder kühler werden. Gut für meine Verlobte und mich, die Babykleidung für einen ganzen Kontinent haben und mitansehen müssen, wie die guten Stücke im Wochenrhythmus zu klein werden.
    Dann können wir wieder durch den Central Park der Wiener streifen und uns die Frage stellen
    “Wann es endlich wieder Sommer wird” “Und wann wir ans Meer ziehen”.Le soleil Weshalb ist es gerade im August so heiß?

     
    • Avatar of Kashia

      Kashia um 10:05 pm am August 26, 2011 Permalink | antworten

      siehs mal so:
      in mamas bauch hatte es auch tropische 37grad.
      und der schweiß der eltern kühlt das baby beim tragen und hilft ihmndie temperaturen auszugleichen :)

    • patita um 9:59 am am August 27, 2011 Permalink | antworten

      sehr schöner text – hat mir heut mein erstes lächeln des tages herbeigezaubert, danke! ;-)

    • funkelblau um 6:03 pm am August 27, 2011 Permalink | antworten

      ist schon wieder Schnee von gestern, das schwitzen, bertachte gerade die gansehaut und Sehne mich schon wieder nach Wärme, Bürosaunieren inklusive. Zeit für Element of crime und die Erkenntnis, man muss es schön finden wie es ist, das Wetter.

  • Avatar of Monsieur Smoab

    Monsieur Smoab um 7:52 pm am August 8, 2011 Permalink | antworten  

    Richtig machen falsch gemacht! 

    Anna Cech, Daughter, 2 months
    steht es seit gestern in meinem Profil eines international bekannten Freundeportals. Irre.
    2 Monate Vater und 2 Monate Fragen über Fragen. Es ist nicht so, dass ich mir dessen nicht bewusst bin, doch was genau heißt es? Vater! Klingt genauso großartig wie respekteinflößend.
    Ich hole die Erinnerung an meinen Vater hervor und stelle mir Fragen.
    Was war schlecht, was war gut? Die Antworten bleiben irgendwie aus. Aber genau diese fehlenden Antworten geben mir gewisse Freiheiten. Kann man überhaupt etwas falsch machen? Natürlich. Aber noch viel mehr kann man nichts falsch machen. Man sollte sich auch mal von außen beobachten, und dabei zusehen, was man so treibt. Wieviel ist man selbst und wieviel redet man sich, und letztendlich seinem Kind eigentlich ein?
    Gelesen habe ich viel, über richtige Erziehung und Frühförderung, über das ganz und gar perfekte Baby. Und noch mehr habe ich gehört. Von Freunden, von der Familie, von fiktiven Erziehern im Fernsehen.
    Fernsehen, ein gutes Stichwort:
    Als ich Kind war, gab es diese TV Serie über eine Aussteigerfamilie.
    Die legendären Robinsons. Eine Familie die das konventionelle Großstadtleben hinter sich gelassen hat.
    Gezogen sind sie mit Kind, Hund und Kegel in eine Holzhütte irgendwo in den Bergen. Weit weg von jeglicher Zivilisation. Bären gingen da ein und aus, über Feuer wurde gekocht, man trug selbstgegerbtes
    Leder und fing sich sein Essen im Wald, im Fluss oder vom Baum. In der Nacht sah man glitzernde Sterne, und das einzige Geräusch war das Plätschern des Flusses. Nun das ist genau das Leben das ich mir nicht vorstellen könnte. Ich brauche meine Supermärkte vor der Haustüre, meinen eigentlich miesen Kaffe aus designten Kapseln, meinen gefühlsaufhellenden Tee für gestresste Stadtmenschen,
    meine kleinen gepflegten Restaurants in der Nähe und meine Schuhe sollen bitte auch andere herstellen. Ich möchte weiterhin auf dem Fahrrad in die Arbeit cruisen, und ich brauche Taxis die mich bei totaler Faulheit parallel zur U-Bahn heimbringen.
    Doch eine Sache beneide ich bei dieser Familie in den Bergen.
    Sie haben keine Erzieungsratgeber, keine Nannys, keine Bücher zum Thema “Wie schläft mein Baby bis zum 18ten Geburtstag durch?”
    Diese Familie Robinson ist reiner als rein, sie vermitteln nur Liebe. Für alles andere gibt es keine Lobby, da oben, in den Bergen.
    Und auch wenn sich das nach faden abgelutschten Hippiephilosophien anhört so sehne ich mich in manchen Momenten nach genau dieser Distanz zu Einflüssen und Eindrücken.
    Neulich stand ich in einem gut sortierten Buchladen in der Pödagogikabteilung und war schlichtweg überfordert. Man sucht sich am besten das was gerade passt.
    So wie im Internet. Ihr kennt das sicher. Zwickt es in der Brust, brauchst du nur lange genug suchen.
    Von kerngesund bis Heriznfarkt ist alles möglich. Je nachdem wie es dir gerade in den Kram passt.
    Bei Babyratgebern ist es nicht anders. “Sie wollen ein glückliches, gesundes Baby?”, “Einschlafen leicht gemacht”, “Babygedanken”, so oder so ähnlich die Buchtitel.
    Ein kurzer Blick hinein. Die einen schütteln, die anderen lassen brüllen, dann findest du wieder Massagen und andere meinen, bloß nicht anfassen.
    Daheim im Bücherregal stehen etwa 20 von diesen Bibeln. Man muss sich ja zunächst einmal ein Bild machen.
    Ich traue mich nur mehr in jenes hineinschauen, in dem lediglich die Meilensteine angeführt sind. In Wochenabschnitten.
    Ein kurzer Hilfeschrei darf an dieser Stelle aber trotzdem erlaubt sein. “Hilfe!!!”
    Zurück zum wesentlichen, zur Robinson Familie.
    Ich versuche ganz ich selbst zu werden. Ich handle nach Gefühl und konzentriere mich darauf, glücklich zu sein und das an meine Tochter und meine Partnerin weiterzugeben. Und schon stelle ich mir die nächste Frage. “Ist das genug?”
    Skip Robinson, was würdest du machen? Ich weiß schon, zurück zu den wichtigen Antworten im Leben.
    Bären sollte man nie den Rücken zuwenden und im Winter sollte man genügend Brennholz haben.

     
    • Avatar of nellah

      nellah um 8:18 pm am August 8, 2011 Permalink | antworten

      ein neuer star am blogger himmel:)

    • Avatar of Patrice Fuchs

      Patrice Fuchs um 8:25 pm am August 8, 2011 Permalink | antworten

      Deine `Babygedanken´ hören sich ziemlich perfekt an! Schöner Eintrag. Willkommen hier!

    • kitty um 8:28 pm am August 8, 2011 Permalink | antworten

      noch ein neuer vater. willkommen!

    • Funkelblau um 7:34 am am August 9, 2011 Permalink | antworten

      Augen auf und einfach durch, meiner Erfahrung nach hat sich das Leben noch nie an Ratgeber gehalten.
      Und das ist, bei aller auch manchmal vorhandener Ratlosigkeit, gut so.

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