“Weshalb ist es gerade im August so heiß?”
Anstandshalber hat sich der Sommer in den dazugehörigen Monaten doch noch gezeigt. Ein paar Tage halt.
Das finde ich auch in Ordnung, doch ich habe Mitleid. Naja, Mitleid ist es nicht wirklich. Eher ein verzweifelt hilfloses Mitfühlen. Mitfühlen mit einem 11 Wochen alten Baby, dass einfach nicht weiss was hier los ist.
Ich stelle mir das gerade in diesen Tagen unerträglich vor.
Wir Erwachsene leiden ja auch gerne, vor allem in Wien, der Stadt der Leidenden.
Wir jammern und wir schimpfen darüber. Wir flüchten ins Bad, in Schanigärten, in den Keller.
Wir tun alles erdenkliche um dem zu entgehen, wonach wir uns den ganzen verregneten Juli gesehnt hatten.
Sommer, der natürliche Feind der Hemmschwelle! Aber wir haben Möglichkeiten.
Babies haben nur begrenzte Mittel um dagegen anzukämpfen. Sie weinen, sie Schreien, sie wimmern.
Ich verstehe es nur zu gut. Ich würde es im Radiostudio in dem ich arbeite, und wo es keine Klimaanlage gibt, zu gerne genauso handhaben.
Doch ich mache gute Miene zum guten Wetter. 40 Grad? No Problem. “Leute mir ist heiß und ich lasse
euch daran jetzt bitteschön Teil haben”. So oder so ähnlich meine von der Hitze stark beeinflussten Sprüche.
Wenn die Temperaturen steigen sinkt automatisch das Niveau bei den Bemerkungen.
Doch wen interssiert das eigentlich? Geht doch allen so.
Verzeihung, nicht allen. Meine lieber Kollege, mit dem ich eine
Spezialsendung im Radio mache, der hätte das nämlich gerne 365 Tage im Jahr so. Er ist auf glühenden
Kohlen zur Welt gekommen und er schmiert sich erst dann mit Sonnencreme ein, wenn Männer in
Hitzeschutzbekleidung ihn höflich darum bitten. Dann aber auch nur mit Schutzfaktor 0,7.
Aber ich verstehe ihn, er kommt aus dem hitzigen Höxta im deutschen Niergendwo, dort
wo Wüstenmarathonläufer ihr Wintertrainingslager aufschlagen. Wo Beduinen Urlaub machen,
wenn sie es einmal schön warm haben wollen. Er ist der einzige Mensch, der mir
ins Gesicht sagen kann, “Hey, 40 Grad ist Grund genug sich den Pullover auszuziehen”, ohne
das ich einen Therapeuten zu Rate ziehe. Ich liebe ihn auch dafür.
Aber der straßenübliche Wiener, der ist nicht so.
Der meldet sich zu Wort und versucht einen Grund dafür zu finden, weshalb es gerade im August so heiß sein muss. Frechheit.
Doch zurück zum eigentlichen Problem, zum Gemütszustand meiner Tochter. Dieser ist mit 11 Wochen,
nun ja, im Grunde positiv. Sie lacht, sie singt, sie beginnt zu brabbeln bzw. zu gurren. (Aber nicht so wie die
depperten Tauben, sondern wie ein Schmetterling mit Subwoofer)
Doch dann kommen diese Momente, wo sie es wieder fühlt. Diese trockene, ergiebige Hitze.
Die Frage “was ist das?” in Bezug auf Temperaturen, ist in ihren Augen zu erkennen. Und sie
kann es fühlen, wenn sie in ihrer Marsupi-Trage entweder am Körper von Mama oder von Papa festklebt.
Eine innige Bindung, die sich im wahrsten Sonne des Wortes verflüssigt. Wahrsten Sonne? Sinne natürlich.
Aber ein passender Tippfehler.
Arme Maus, sie schwitzt weil wir schwitzen. Ihr Schicksal. Aber im Kinderwagen geht das bei 35 Grad erst recht nicht.
Da könnte man das Baby nach 10 Minuten nur mehr mit Topflappen herausnehmen.
Wir sind nämlich wir bei unserer Limited Nautic Edition von Joolz laut Werbetext dazu angehalten, eigentlich am Meer zu leben.
Tun wir aber nicht. Dort wäre die Luftfeuchtigkeit halt etwas höher, das Rot im Inneren heimelig und die Hitze erträglicher.
Hier in der Stadt wird aus dem maritimen Gefährt eher ein Hochofen.
Also weiterhin in die Augen des 11 Wochen alten Babies schauen und warten bis es 12 Wochen alt ist. Dann soll es nämlich wieder kühler werden. Gut für meine Verlobte und mich, die Babykleidung für einen ganzen Kontinent haben und mitansehen müssen, wie die guten Stücke im Wochenrhythmus zu klein werden.
Dann können wir wieder durch den Central Park der Wiener streifen und uns die Frage stellen
“Wann es endlich wieder Sommer wird” “Und wann wir ans Meer ziehen”.
Kashia um 10:05 pm am August 26, 2011 Permalink |
siehs mal so:
in mamas bauch hatte es auch tropische 37grad.
und der schweiß der eltern kühlt das baby beim tragen und hilft ihmndie temperaturen auszugleichen
patita um 9:59 am am August 27, 2011 Permalink |
sehr schöner text – hat mir heut mein erstes lächeln des tages herbeigezaubert, danke!
funkelblau um 6:03 pm am August 27, 2011 Permalink |
ist schon wieder Schnee von gestern, das schwitzen, bertachte gerade die gansehaut und Sehne mich schon wieder nach Wärme, Bürosaunieren inklusive. Zeit für Element of crime und die Erkenntnis, man muss es schön finden wie es ist, das Wetter.