Von Abschieden und Neuanfängen

Drei Wochen noch bis zum errechneten Geburtstermin und ich fühl mich teilweise schon vorher fremdbestimmt. Von seltsamen Ansprüchen, die von außen an mich herangetragen werden. Es sind so Kleinigkeiten, an denen es mir auffällt, etwa weil ich Ende September unbedingt an einer wichtigen Branchenmesse teilnehmen möchte-von einer Kollegin kommt dann sofort: Wie, da willst du schon mitkommen? Und das Kind??? Das Kind hat einen Vater, der sich genauso um seine Tochter kümmern wird wie ich. Warum auch nicht. Und ein Tag ist wohl kein Drama! Auch Meldungen wie: Du wirst schon sehen, du wirst das Kind nicht alleine lassen wollen (eine gute Freundin feiert Hochzeit, auch da wird C. das Kind betreuen) , irritieren mich extrem. Ich kann mir schon vorstellen, auch jetzt schon, dass man sehr aufs Kind gepolt ist, es schwer alleine lassen kann/will und extrem fremdbestimmt ist, schon klar, nur, was mich eben kirre macht, sind diese Aussagen über MEIN Leben, als wüsste eh jeder alles besser und als wär es nur korrekt, von Anfang an zu sagen, das ist jetzt mein neuer Lebensmittelpunkt und aus. Das wird es ohnehin, ob ich das möchte oder nicht, insofern warum darüber groß sprechen. All das wird sich dann weisen, ich lass das auf uns zukommen und es wird dauern, in diese neue Rolle reinzuwachsen. Genauso wie es dauern wird, sich als Paar neu zu entdecken, vermute ich. Ich sehe das Ganze halt wenig verklärt idyllisch, sondern als drei Menschen, die sich zusammenraufen werden, sich sehr wichtig sind und ihren Platz neu bzw erstmal grundlegend icon wink Von Abschieden und Neuanfängen definieren müssen. Erwartet wird aber die übersprudelnde Begeisterung und das Rosa-Malen. Ich freu mich absolut, das ja, aber diese Freude ist so intim, dass ich sie bis auf meinen Freund mit niemandem teilen mag, schon gar nicht mit der Billa-Verkäuferin, die fragt wann es soweit ist und ungefragt Details von ihrer Geburt erzählt noch mit einer Arbeitskolleginn, die allen Ernstes frug: Und, wie geht’s dir? Und wenn ich darauf antworte: Gut, hatte grade Stress bei einer Pressekonferenz.“ -keck darauf sagt: Also eigentlich meinte ich mit dem Baby. Ok, ist notiert. Darf ich nur mehr Auskunft geben über Befindlichkeiten rund um die werdende Mutterschaft? Sorry, ich bin da empfindlich in dem Bereich und nicht die Ewig-Tolerante wie sonst. Klar meinens die meisten nett, aber oft nervt es unglaublich, beim dm-Einkauf zum derzeitigen Status befragt zu werden oder beim Parfum-Stöbern von der Verkäuferin erzählt zu bekommen, wie sehr sie sich ein Kind wünscht und dass der Richtige halt noch nicht gekommen ist und sie schon sehr verzweifelt ist. Hey, es gibt noch Grenzen trotz Babybauch! Wenigstens sind die Grapscher weniger geworden, ich glaube, die haben Angst, sie könnten den Bauch zum Platzen bringen icon wink Von Abschieden und Neuanfängen .
Ja, und langsam findet eben auch dieser Abschied statt vom alten Leben, ich ahne, da kommt eine extreme Ausnahmesituation auf uns zu. Was schön, aufregend und wehmütig gleichzeitig ist. Diese Panik von wegen man ist weniger frei hab ich zum Glück gar nicht, da habe ich sozusagen evolutionäre Stufen durchlaufen (von „Ich kann keine Beziehung haben, das engt mich ein“ bis zu Zusammenwohnen und Kind bekommen wars ein weiter Weg und im Gegenteil, es hat mich freier und stärker gemacht als vorher.), außerdem ist meine Mutter ein großes Vorbild, die immer meinte, du, dein Leben geht einfach noch bunter und lauter weiter-wenn du dir keinen Perfektionszwang machst. Word, Mum!