prekariat
so. ich habe es geschafft, mich seit montag nicht mehr aus dem haus zu begeben, homeoffice sei dank. und die außenwelt vermisst mich gar nicht und ich sie auch nicht, sowas aber auch. c. und ich wörtern friedlich in unseren zimmern vor uns hin, sind gemeinsam infantil, schlafen viel (oheinreim) und essen packerlsuppe. was mich dieser tage beschäftigt: unter anderem die situation der freien journalisten beim ORF, weil die medienlandschaft ja durch die bank so gepolt ist. ein symptom, das endlich mal einer breiteren öffentlichkeit zeigt, wie medien dieser tage gemacht werden. die tage des goldenen nase verdienens sind längst vorbei und kein verlag, kein radio oder TV-sender kommt ohne seinen pool an freien über die runden, traue ich mich behaupten. bezahlt werden sie aber fast alle unzureichend. wer glück hat und auf quasi-projektbasis arbeitet, bekommt einen halbwegs erkleckliche pauschale, aber die seiten/beitragshonorare sind meistens zum fürchten. lohnt sich in wahrheit für den aufwand nicht. das bedenklichste daran: wir haben keine lobby, niemanden, der für uns eine inflationsanpassung durchsetzt oder sonstiges erkämpft. wer ernsthaft motzt, wird eben nicht mehr beauftragt, eine ganz simple rechnung. und das macht nachdenklich. wo und wie soll man sich solidarisieren und in welcher form, damit es was bringt? da stimmt der orf zwergenaufstand ja wirklich schon positiv, denn so selbstverständlich ist die an einem strang zieherei gar nicht. hm. alles rhetorische fragen ohne antwort.
Patrice Fuchs um 9:18 am am Februar 11, 2012 Permalink |
Ich habe eine Zeit lang versucht im Orf gemeinsam mit den anderen Freien was weiterzubringen. Es gab Treffen und Besprechungen und Pläne. Bspw ein Protestbrief schreiben. Bei der Formulierung stellte sich dann aber heraus, dass der Protestbrief nicht zu protestig sein sollte, weil `man will ja niemanden vor dem Kopf´ stoßen. Außerdem sollte er nicht an die Öffentlichkeit gehen, weil das ginge zu weit…Immer wieder wurde im Namen der Freien das Gespräch mit diversen Abteilungsleitern gesucht. Wenn der oder die dann sagte, dass er oder sie total Mitleid mit uns habe, war das schon ein `politischer Erfolg´ und der oder die AbteilungsleiterIn war `total nett´. Nachdem das aber leider genau nichts brachte, haben wir uns geeinigt die juristische Situation zu prüfen. Alle waren Feuer und Flamme dafür. Dann ergab die Prüfung dass wir sehr gute Chancen hätten bei Gericht entweder Anstellungen oder eine adäquate Bezahlung durchzubringen. Da waren auch alle Feuer und Flamme. Also ging ich zu Arbeiterkammer um die Chancen einer Massenklage zu besprechen. Die Arbeiterkammer war sofort bereit so was zu unterstützen. Als ich aber mit den Freien genauere Schritte ausmachen wollte, bekam ich plötzlich keine mailantworten mehr (außer von 2 oder 3) und jede Diskussion wurde diffus und verlief sich. Dann wurden wieder Gespräche mit den Abteilungsleitern eingefordert….Das Problem ist nicht unbedingt fehlende Civilcourage gewesen, sondern, dass jeder im Hinterkopf hatte: `Aber was ist wenn eine Karenzstelle frei wird? Wenn ich in einem Rechtsstreit verwickelt werde, bekomme ich die sicher nicht.´ Wie kurz und egoisitsch gedacht! Wenn wir gemeinsam geklagt hätten, hätten entweder ALLE eine Anstellung bekommen, oder alle hätten normal bezahlt bekommen. Genauso sollten alle prekären JournalistInnen mal eine Woche streiken – wie die Autoren in Hoolywood – dann könnten sich die Verlage, Medienhäuser mal anschauen….Aber das geht halt nur, wenn es einen ausgeprägten kämpferischen und solidarischen Ansatz gibt. Wenn im Grunde jeder nur an sich denkt, geht gar nichts. Letzte Woche hatten die Freien übrigens wieder ein `super Gespräch´ mit Karl Amon. Gratuliere.