Meine Theorie

 Mit der Fremdbetreuung von Kleinkindern ist das ja so eine Sache. In der Vor-Baby-Zeit nimmt man sich ganz fest vor, nicht eine dieser hysterisch-angespannten Gluckenmütter zu werden, und ist sich ganz sicher, schon sehr bald das Baby auch stundenweise mal jemand anderem zu übergeben. Denn, so wie mir von allen möglichen und unmöglichen Seiten gepredigt wurde und wird, ist es wichtig, dass ich rechtzeitig lerne ‘loszulassen’ und mein Baby sich schon einmal an Fremdbetreuung gewöhnt. Und ich wollte ja nun eher eine moderne, coole Mutter sein, die auch auf sich selber schaut und die sich nicht nach dem konservativen Übermutterklischee an die Kinder versklavt.

 Dementsprechend gestreßt war ich darüber, dass ich es 7 Monate lang nicht geschafft hatte, diesen für Babys und meine Entwicklung so essentiellen Schritt erfolgreich zu machen. Ich war keine coole Jungmutter, sondern eine spießige Gluckenmutter, die ihr Baby niemandem außer dem Kindesvater unbeaufsichtigt übergab. Nicht freiwillig, an Versuchen mangelte es auch nicht. Aber Baby ging bei fremden Personen in Hunger- und Schlafstreik, und zusätzlich waren auch noch beide Omas aus den verschiedensten Gründen nicht einsetzbar. Und ich glaube nicht an ‘Schreienlassen’ (ist wohl so eine Philosophiefrage).

  Und schon hagelten die vorwurfsvollen Kommentare auf mich ein: ”Du mußt das jetzt endlich machen!”, ”Du mußt lernen loszulassen!”, “Geh, das kann ja nicht so schlimm sein mit den Omas. Du stellst sicher einfach nur viel zu hohe Ansprüche!”, “Dann probiere es halt nochmal und nochmal! Dann schreit sie halt, irgendwann wird sie sich schon daran gewöhnen.”

 Was mir nicht bewußt war, hat sich mittlerweile zu einer Theorie von mir ausgebildet: Leute ohne Kinder haben bloß abstrakte Vorstellungen vom Baby-Business und werden, so sie einmal eigene haben sollten, ihr Wunder erleben. Und Leute mit Kindern glauben, ihre eigene Lebenssituation 1:1 auf andere übertragen zu können und müssen. Denn Abweichungen bei anderen könnten ja bedeuten, dass man es selber doch ‚falsch‘ macht und eine schlechte Mutter ist! Nein, da verdammen wir doch lieber alle, die es anders machen als man selbst.

 Mir doch wurscht. Baby hat sich mittlerweile ausgefremdelt (glaube ich), und ganz liebe Babysitterin haben wir auch gefunden. Jetzt hat meine Stunde als coole, freie, unabhängige Mama geschlagen! … Ich werde mal beim Zahnarzt anrufen. Und beim Augenarzt. Und zur Kontrolle zur Kieferorthopädin muß ich ja auch…