Männer im Kindergarten – Wer braucht das?

Vor allem die Kinder - belegen Studien. Aber auch die gesamte Belegschaft profitiert davon. Dabei war die Institution Kindergarten immer irgendwie Frauensache – und ist es bis heute. Einerseits arbeiteten immer nur Frauen als Kinderbetreuuerinnen – die sogenannten Tanten – und andererseits war der Kindergarten ausschließlich zur Lebenserleichterung von arbeiteten Frauen gedacht.

Vor allem die Frauenbewegung der 70er Jahre verlangte nach mehr Betreuungsplätze, um Müttern die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Von den arbeitenden Vätern war nie die Rede. Die brauchten scheinbar keine Kinderbetreuungsplätze für ihre Kinder, denn sie hatten ja ihre private Kinderbetreuerin zu Hause sitzen.

Mittlerweile liebäugeln immer mehr Männer mit einer möglichen Karenz und in ganz Europa setzt man auf männliches Betreuungspersonal in den Kindergärten. Studien untermauern, wie wichtig männliche Bezugspersonen für Kinder sind. Damit bricht eine alte weiblich besetzte Bastion auf.

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Noch liegt in Österreich der Anteil an männlichen Kleinkindpädagogen bei unter einem Prozent und damit weit unter dem EU-Durchschnitt. Während man beispielsweise in Wien mittels Kampagnen versucht mehr Männer in die Kindergärten zu holen, wurden Männer in den vergangenen Jahrzehnten dieser Weg noch regelmäßig verleidet. Die Ausbildungsstätten waren nur auf Frauen und einem ganz bestimmten Frauenbild zugeschnitten. Bernhard Koch, Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungswissenschaften in Innsbruck, will in Zukunft mehr Männer in den Kindergärten sehen.

Wie könnte man das Bild der weiblichen Kindergärtnerin in den 50ern skizzieren?

Lieb und nett. Der Kindergarten als Ersatz für das mütterliche Heim, die Arbeit als Ersatz für Mütterlichkeit

Wie kann man die österreichischen Ausbildungsstätten für Kleinkindpädagogik charakterisierten?

Gut, aber sie entsprechen nicht den heutigen Anforderungen. Sie haben eine lange Tradition als Mädchenschulen

Können sie Beispiele nennen, wie Männern seit den 80ern der Einstieg in den Beruf des Kleinkindpädagogen verleidet wurde?

Bei den Aufnahmeverfahren in die BAKIP gäbe es keine Toiletten für Männer, es wurde deutlich gemacht, dass sie nicht erwünscht sind, fast die Hälfte der männlichen BAKIP Schüler sagen, dass „männliche Interessen“ tendentiell nicht berücksichtigt werden und beziehen sich auf Handwerk und Sport.

Warum braucht es Männer in den Kindergärten?

Wegen der Vielfalt. Männer bringen weitere Aspekte in die Arbeit mit ein, Kinder sollen sehen, dass auch Männer pflegen und sich sorgen und etc.

Können nicht auch Frauen abenteuerlich sein oder mit den Kindern Fußball spielen? Braucht es dazu einen Mann?

Auch Frauen können das! manche machen das auch. Es scheint aber so, dass sie das weniger mögen als die Männer, die im Kindergarten arbeiten. und Kinder merken sehr schnell, ob jemand wirklich bei der Sache ist.

Brauchen wir mehr`Tarzans´ für die Buben?

Auch, aber das ist ein Nebenaspekt. Es braucht für Buben die Möglichkeit des Ringens, des an Regeln gebundenen Kräftemessens. viele Männer, nicht alle, mögen das lieber wie Frauen.

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Manchmal gehen Männer anders mit Kindern um als Frauen. Manchmal ist das gewöhnungsbedürftig. Bernhard Koch mit seinem Sohn Leander: Schützend, nährend, die Welt zeigend – und seine eigenen Bedürfnisse befriedigend. (Foto: privat)

Bringen Männer neue Spielthemen in den Kindergärten?

Ja. Also natürlich nicht jeder, aber insgesamt kann man sagen, dass durch Männer weitere Interessen und Neigungen einfließen: Outdoor, Experimente, Bewegung, Körperlichkeit.

Lieselotte Ahnert, vom psychologischem Institut in Wien, hat im Frühjahr zum Nachrichtenmagazin `Profil´ gesagt, dass Männer für den Beruf des Kleinkindpädagogen ungeeignet wären…

So hat sie das nicht gesagt. Das war im Profil etwas irrtümlich. In ihrem Buch „Wieviel Mutter braucht ein Kind?“ (2010) meint sie etwa, dass Väter weder besser noch schlechter als Mütter wären, dass sie allerdings anders wären und für die Kinder wichtig wären. Viele Untersuchungen darüber zeigen: Umgang mit Kindern lernt man „On the job“ – Frauen genauso wie Männer.

Wie zeigen Männer Fürsorglichkeit?

Ganz unterschiedlich. In der Familie häufig über die materielle Sicherheit, die sie über ihr Einkommen herstellen. Im Kindergarten genau so wie Frauen. Zusätzlich scheint es so zu sein, dass sie Kindern mehr zutrauen.

Ein Grund warum sich viele vor Männern im Kindergarten fürchten, ist die Gefahr des sexuellen Missbrauchs. Nicht berechtigt?

Auch in anderen Ländern gibt es keine Studien, die zeigen würden, dass dies berechtigt wäre. Bei Kindergärten, wo Männer arbeiten, gibt es von den Eltern diese Befürchtung nicht!

Wie ist die Stimmung in Gruppen mit sowohl weiblichem als auch männlichem Betreuungspersonal?

Hervorragend: Frauen wie Männer lieben gemischtgeschlechtliche Teams.

Wie finden Männer in den Beruf des Kleinkindpädagogen?

Die einen, haben schon früh gemerkt, dass sie gerne mit Kindern arbeiten würden, die anderen sind Spätberufene, die erst nach Jahren der Berufserfahrung in anderen bereichen (Jurist, KFZ-Mechaniker etc.) gewechselt sind.

Ist die geringe Bezahlung tatsächlich eines der Hauptgründe, warum so wenig Männer in Kindergärten arbeiten?

Einer der Hauptgründe, aber aus meiner Sicht nicht der entscheidende. Es gibt viele andere – auch Männerberufe – mit gleich viel bzw. wenig Bezahlung. Maßgeblich erscheint aus meiner Sicht die vermutete geringe Wertschätzung und die Tradition als Frauenberuf zu sein.

Bernhard Koch lehrt unter anderem an der Universität Innsbruck das Fach „Männer in erzieherischen Berufen“ und ist Mitorganisator des „Boy Day“ .

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